Spielen

Spielen? Während einer Therapie- oder Fördersitzung? Schnell kommt der Gedanke auf, man bezahle dafür, dass jemand mit dem eigenen Kind spielt. Das kann man doch auch selbst zuhause! An dieser Stelle ein kurzer Einwurf: Machen Sie es! Es gibt wenige sinnvollere Beschäftigungen mit dem eigenen Kind als zusammen unterschiedliche Gesellschaftsspiele zu spielen! Und um zu erläutern warum das so ist, schreiben wir diesen Beitrag!

Mehr als nur Spiel

Brett- und Kartenspiele, allgemein Gesellschaftsspiele genannt, bestehen aus sogenannten Mechanismen. Mechanismen sind Regelkonstrukte, die uns erlauben im Spiel etwas zu tun. Das Gesellschaftsspiel ist am Ende also eine Verbindung von Mechanismen. Das Würfeln bei Monopoly ist z. B. ein Mechanismus zum Bewegen der Spielfigur. Die Regeln zum Ablegen von Karten bei UNO sind ein Mechanismus. Und hinter Mechanismen stecken oft Anforderungen an uns als Spieler. Mal muss man gut rechnen können, Mal gut schätzen oder Wahrscheinlichkeiten erfassen (Risiko Abschätzung), aber auch Lesen, Vergleichen (z. B. Formen miteinander vergleichen) und mehr kann vom Spieler gefordert sein. All das verpackt in ein Gesellschaftsspiel, welches in erster Linie Spaß machen soll.

Jetzt ist es mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen besser lernen, wenn sie Spaß haben. Die eigene Motivation Inhalte aufzunehmen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen steigt und genau diesen Effekt wollen wir uns zu nutze machen. Spaß, Begeisterung, Motivation, Anstrengungsbereitschaft sind alles positive Lernverstärker, welche sich in Spielen deutlich leichter entfalten als in anderen Situation. Das ist auch vollkommen logisch. Denn das Spielen an sich, ist für den Menschen Alltag und überaus natürlich. Die meisten und wichtigsten Lernprozesse unseres Lebens, nämlich die im Kleinkindalter geschehen spielerisch. Der Mensch ist neugierig und verspielt. Daher erneut der Appell: Spielen Sie mit ihren Kindern.

Wir haben im Spiel die Chance, losgelöst von unseren Alltäglichen Kämpfen und Problemen, uns auszuprobieren. Wenn im Spiel eine Rechenaufgabe nicht klappt, verliert man vielleicht ein paar Punkte, im schlimmstenfalle das gesamte Spiel, aber eben nicht mehr. Die Konsequenzen auf das Leben außerhalb der aktuellen Spielpartie sind minimal.

Erworbene oder blockierte Kompetenzen im Spiel ausprobieren zu können und dabei vielleicht sogar Erfolge sammeln zu können, ist eine wichtige Chance für die wir sehr dankbar sein sollten!

Welche Kompetenzen werden in Spielen gefordert?

Pauschale Antwort: Alle. Differenzierte Antwort: Es kommt drauf an. Es kommt auf das einzelne Spiel an. Gehen wir von einem Grundschulkind aus, bewegen wir uns im Bereich der Spiele ab 5 bis ab 8 Jahre – sogenannte Kinderspiele. Etwas anspruchsvoller wird es dann bei ab 8 oder ab 10 Jahren, das sind die sogenannten Familienspiele. Die Jury Spiel des Jahres lobt jedes Jahr einen Preis aus, den „Spiel des Jahres“ Preis, das „Kinderspiel des Jahres“ sowie das „Kennerspiel des Jahres„. Während das „Kennerspiel des Jahres“ für diese Anfangsbetrachtung wenig Relevanz hat, so lohnt sich ganz besonders ein Blick zum Kinderspiel des Jahres. Die Jurymitglieder – alles Menschen die sich mit Kindern beschäftigen – spielt zusammen mit Kindern die Spiele und wählt den Sieger unter Einbeziehung der Meinung der Kinder aus. Es scheint also ein Spiel zu sein, welches bei Kindern gut ankommt. Die Erfahrung zeigt, dass ein Spiel dazu auf dem Kompetenzniveau der Kinder liegen muss. Dieses Jahr ist das Kinderspiel des Jahres „Funkelschatz“ des Verlags HABA geworden. Funkelschatz haben wir auch in unserer Praxis. Die Kinder müssen beim Spielen schätzen. Wer schlecht schätzt verliert. Schätzen ist eine wichtige Basiskompetenz für das mathematische Verständnis. Es gibt Orientierung in einem „Chaos“ voller Zahlen.

Oder ein Spiel wie „Concept Kids: Tiere“. In diesem Spiel müssen die Kinder Tiere beschreiben und erraten, aber mittels Piktogrammen. Das sind kleine Abbildungen, welche für einen unbestimmten Bedeutungsinhalt stehen. Auf einem Piktogramm ist z.B. ein Stück Fleisch abgebildet, auf einem anderen ein Blatt. Intuitiv bedeutet das für die meisten Kinder „Das Tier frisst Fleisch oder Pflanzen.“ Auf die einzelnen Piktogramme werden Rahmen gelegt, aus der Verbindung der genutzten Piktogramme ergibt sich dann ein Tier und das ganz ohne sprechen! Eine Beschreibung könnte z. B. folgendermaßen aussehen: „Dschungel – Fleisch – Gestreift – Fell – Orange – Schwarz – Nacht – Schnell – Groß“ Na, wissen Sie welches Tier gesucht wird? Na klar, der Tiger! Was den Kinder unheimlich Spaß macht schult gezielt wichtige Kompetenzen. Das Kind welches erklärt, muss sich sein Tier anschauen und überlegen, welche Eigenschaften passen zu dem Tier. Es muss aktiv vergleichen und kategorisieren – Kompetenzen die extrem wichtig für den weiteren Lernerfolg sind.

Vergleichen, Kategorisieren, Logikrätsel, die Grundrechenarten, Schätzen, Überschlagen, grobe Wahrscheinlichkeiten, aber auch das Lesen und das Leseverständnis werden in Brettspielen oft gefordert und somit spielerisch gefördert.

Spiele bei Legasthenie/LRS oder Dyskalkulie

In der Legasthenietherapie / LRS-Therapie eignen sich einfache Wortspiele sehr gut um eine positive Assoziation zu Wörtern und Begriffen aufzubauen. Natürlich ist es dabei extrem wichtig, dass die Spiele das Kind nicht überfordern. Sie sollen unterstützen und Spaß vermitteln und sind in erster Linie nicht dazu da, Schwierigkeiten zu machen. Spiele können allerdings dazu anregen, in dem geforderten Bereich besser zu werden. Ehrgeiz und Wettbewerb sind für Kinder gern genommene Anlässe sich zu verbessern und so die eigene Leistung spielerisch zu steigern. Assoziationsspiele wie Concept oder wirkliche „Lese“-Spiele wie Zingo!, wo es darum geht Begriffe schneller als die anderen zu lesen und auf dem eigenen Tableau zu platzieren, können die Lesekompetenz eines Kindes trainieren und somit die Legasthenietherapie unterstützen.

Im mathematischen Bereich gibt es wesentlich mehr Spiele, so dass es bei der Dyskalkulietherapie leichter fällt, Spiele auf dem entsprechenden Kompetenzniveaus des Kindes zu finden. Seien es die bekannten Spiele wie 11er Raus!, Uno oder Shut the Box!, sobald das Kind den Zahlenraum bis 10 beherrscht, kann die Dyskalkulietherapie effektiv mit Spielen unterstützt werden und so auch der sozial emotionale Bereich des Kindes gestärkt werden.

Welche Spiele eignen sich?

So gut wie alle Kinderspiele etablierter Verlage. Schauen Sie sich um! Das Angebot ist nahezu unendlich. Besonders die Verlage HABA, Abacus Spiele Pegasus Spiele, Schmidt Spiele, Kosmos und Ravensburger Spiele haben ein breites Sortiment an Kinderspielen. Wir werden hier im Blog immer wieder Spiele für Kinder empfehlen und besprechen, halten Sie also gerne auch hier die Augen offen. Ansonsten stehen wir natürlich gerne auch unter info@calega.de beratend zur Seite – haben Sie aber bitte Verständnis, dass die Bearbeitung solcher Fragen in der Priorität hinten anstehen müssen.

Um Sie nicht ganz ohne Empfehlung gehen zu lassen, schauen Sie sich doch Mal folgende Spiele an. Im Internet mit Google finden Sie bestimmt weitere Informationen:

  • Zauberei Hoch Drei (Pegasus Spiele) – ein Memo Spiel
  • Dobble Kids (asmodee) – Vergleichen von Symbolen in Echtzeit, ein großer Spaß für Jung und Alt
  • Do De Li Do (Drei Magier Spiele) – Vergleichen und erkennen von Mehrheiten. Wer zuerst seine Karten los wird gewinnt
  • Concept Kids Tiere (asmodee) – Tiere raten durch assoziationen zu bestimmten Symbolen

2 Kommentare

  1. JA hallo die Frage ist nur ob die Spiele wirklich bei Legasthenie/LRS oder Dyskalkulie helfen, wen schon dann ein wenig statt gar nichts ist auch besser.
    LG Claudia

    • Hallo Fr. Wahlmüller,

      ich habe Ihren Kommentar freigegeben, allerdings den Gewinnspiel-Link entfernt. Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass wir keine Plattform für Werbung für Gewinnspiele bieten.
      Nun zu Ihrer Frage:
      Brettspiele an sich helfen nicht. Sie können aber Anreiz sein z.B. Lesen zu lernen, einen Anlass zum Lesen bieten und sind, wie im Beitrag beschrieben, sehr gut geeignet grundsätzliche Basiskompetenzen, welche auch für die erfolgreiche Therapie von LRS und Dyskalkulie benötigt werden, zu fördern.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Alexander Resch
      Lerntherapeut

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Beitragskommentare