LRS Informationen

LRS – Wissen, das entlastet

Das „kurze“ Nachschlagewerk über Lesen, Rechtschreiben und die vielen Missverständnisse dazwischen.

8 KapitelStand 2026Kostenfrei

Warum eine Info-Seite über LRS auf der Website von Lerntherapeuten?

Lesen und Schreiben begegnen Kindern nicht nur im Deutschunterricht. Sie brauchen diese Fähigkeiten für eine Textaufgabe in Mathematik, für die Mitschrift in Biologie, für Nachrichten an Freunde und irgendwann für eine Bewerbung. Wenn jeder einzelne Satz viel Kraft kostet, wird deshalb schnell der gesamte Schulalltag anstrengend.

In der lerntherapeutischen Praxis erleben wir immer wieder Kinder, die sich sehr bemühen und trotzdem hören:

„Du musst dich einfach besser konzentrieren.“
„Du hast das Wort doch gestern noch gekonnt.“
„Lies eben mehr, dann wird das schon.“

Solche Sätze sind meist nicht böse gemeint. Sie entstehen, weil Lesen und Rechtschreiben für geübte Erwachsene so selbstverständlich geworden sind, dass man kaum noch spürt, wie viele Entwicklungsschritte darin stecken. Genau hier soll diese Seite ansetzen.

Wir wollen erklären, was beim Lesen und Schreiben gelernt werden muss, wie sich anhaltende Schwierigkeiten zeigen können, was eine sorgfältige Diagnostik leistet und welche Unterstützung nach heutigem Forschungsstand sinnvoll erscheint. Vor allem wollen wir dazu beitragen, Verhalten nicht vorschnell als Faulheit, mangelnde Intelligenz oder fehlenden Willen zu deuten.

Wissenschaftlicher Stand:
Dieses Kompendium orientiert sich am wissenschaftlichen Stand von 2026. Die Quellen erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben: Die ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation dient als aktueller internationaler Klassifikationsrahmen. Für Definitionen und fachliche Einordnungen werden zusätzlich aktuelle Konsensarbeiten herangezogen, für Aussagen über Förderung vor allem systematische Übersichten und Meta-Analysen. Das BMBF-geförderte LONDI-Projekt bereitet wissenschaftliche Erkenntnisse für Eltern, Schule und Fachpraxis auf. Für den schulischen Teil gelten die aktuellen Regelungen und die Handreichung des Landes Hessen.

In Deutschland befindet sich die Einführung der ICD-11 noch im Übergang. Für die gesetzlich geregelte Kodierung von Diagnosen im deutschen Gesundheitswesen ist derzeit weiterhin die ICD-10-GM maßgeblich. Die beiden Klassifikationen erfüllen damit im vorliegenden Text unterschiedliche Funktionen und lassen sich in ihren Kategorien nicht durchgehend eins zu eins aufeinander abbilden. [2, 14]

Die frühere deutsche S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/oder Rechtschreibstörung“ aus dem Jahr 2015 ist abgelaufen. Eine Überarbeitung wurde im Juli 2025 bei der AWMF angemeldet, lag bei der letzten Aktualisierung dieser Seite aber noch nicht als neue Leitlinie vor. Aussagen aus der früheren Leitlinie werden deshalb nicht allein aufgrund ihres damaligen Leitlinienstatus übernommen, sondern mit neueren Quellen und aktuellen Fachinformationen abgeglichen.

Hinweis zur Nutzung:
Der Text dient der Information. Er kann weder die Lernentwicklung eines einzelnen Kindes beurteilen noch eine schulische Feststellung, psychologische Diagnostik, ärztliche Untersuchung oder individuelle Förderplanung ersetzen.

„Ein Fehler zeigt nicht, wie klug ein Kind ist. Er zeigt, an welcher Stelle sein Lernweg gerade Unterstützung braucht.“

Vorab-Hinweis

Liebe Eltern, liebe Pädagoginnen und Pädagogen,

LRS ist kein einheitliches Paket. Ein Kind liest langsam, aber versteht mündlich auch komplexe Inhalte. Ein anderes liest Wörter recht flüssig, verliert jedoch im Text den Zusammenhang. Ein drittes kann gut erzählen, verschriftlicht dasselbe Wort aber dreimal unterschiedlich. Manche Kinder haben vor allem Schwierigkeiten beim Lesen, andere beim Rechtschreiben und manche in beiden Bereichen.

Darum ist diese Seite eine Landkarte und keine Schablone. Nicht jedes beschriebene Merkmal trifft auf jedes Kind zu. Ein einzelnes Merkmal – etwa das Verwechseln von b und d – beweist keine LRS. Entscheidend ist das Gesamtbild: Wie deutlich, wie anhaltend und in welchen Situationen treten die Schwierigkeiten auf? Wie entwickelt sich das Kind unter passender Förderung? Welche weiteren Faktoren wirken mit?

Bitte behalten Sie beim Lesen drei Dinge im Hinterkopf:

  1. LRS ist kein Ausdruck mangelnder Intelligenz. Aus einer Lese- oder Rechtschreibleistung lässt sich nicht ableiten, wie klug ein Mensch ist.
  2. Schwierigkeiten sind real, aber Entwicklung bleibt möglich. Lesen und Rechtschreiben können gezielt aufgebaut und verbessert werden. Fortschritt verläuft dabei individuell.
  3. Unterstützung und Diagnostik haben verschiedene Aufgaben. Ein Kind muss nicht auf eine klinische Diagnose warten, bevor Schule oder Förderung auf erkennbare Schwierigkeiten reagieren.

Und jetzt geht’s los.

Kapitel 1: Mehr als verdrehte Buchstaben

Was LRS ist – und warum die Begriffe so oft durcheinandergehen

Das Wichtigste auf einen Blick

LRS betrifft Lesen, Rechtschreiben oder beides: Die Schwierigkeiten können unterschiedlich verteilt und unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

LRS sagt nichts über den Wert oder die Intelligenz eines Menschen aus: Betroffene können in anderen Bereichen durchschnittliche, hohe oder sehr hohe Fähigkeiten zeigen.

Die Begriffe sind nicht überall gleich definiert: Schule, Medizin, Forschung und Alltag verwenden „LRS“, „Legasthenie“ und „Dyslexie“ teilweise unterschiedlich.

Es gibt keinen einzelnen typischen LRS-Fehler: Buchstabenverdrehungen oder eine unordentliche Handschrift allein erlauben keine Diagnose.

1.1 Der Irrtum am Küchentisch

Stellen Sie sich folgende Situation vor:

Ihr Kind sitzt seit zwanzig Minuten an einem kurzen Text. Es liest ein Wort, hält inne, beginnt den Satz noch einmal und verliert die Zeile. Als Sie anschließend nach dem Inhalt fragen, kommt kaum eine Antwort. Beim Vorlesen derselben Geschichte kann das Kind dagegen genau erzählen, wer was getan hat und warum.

Später soll es drei Sätze schreiben. Das Wort „fahren“ steht zunächst als „farn“, zwei Zeilen später als „faren“ und am Ende richtig im Text. Sie wissen, dass Ihr Kind die Regel schon geübt hat. Ihr Kind weiß es auch. Trotzdem war sie im entscheidenden Moment nicht zuverlässig verfügbar.

Von außen sieht das schnell nach Flüchtigkeit aus. Im Erleben des Kindes kann es sich ganz anders anfühlen: Jeder Buchstabe, jede Silbe und jede Regel fordert bewusste Aufmerksamkeit. Was bei geübten Leserinnen und Schreibern automatisch abläuft, muss immer wieder aktiv zusammengesetzt werden.

„Ich weiß doch, was da steht. Ich bekomme es nur nicht schnell genug aus den Buchstaben heraus.“

Dieser Unterschied ist zentral. LRS bedeutet nicht, dass ein Kind nichts versteht. Häufig liegt die Hürde früher im Prozess: beim sicheren Erkennen von Wörtern, beim flüssigen Verbinden von Lauten und Buchstaben oder beim dauerhaften Speichern und Anwenden orthografischer Muster.

1.2 LRS, Legasthenie und Dyslexie – drei Wörter, nicht immer drei Dinge

Im deutschsprachigen Alltag wird LRS oft als Abkürzung für „Lese-Rechtschreib-Schwäche“, „Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten“ oder „Lese-Rechtschreib-Störung“ verwendet. Diese Ausdrücke klingen ähnlich, können aber je nach Zusammenhang etwas anderes meinen.

Im schulischen Kontext ist häufig von „besonderen Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben“ die Rede. In Hessen ist dieser bewusst weite Begriff wichtig: Die Schule soll den individuellen Förderbedarf betrachten. Für schulische Förderung ist ein externes medizinisches Gutachten nicht grundsätzlich Voraussetzung; die Klassenkonferenz trifft die schulische Feststellung und entscheidet über Maßnahmen. [1]

Im klinischen Kontext bezeichnet die Lese- und/oder Rechtschreibstörung eine enger definierte Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten. Die ICD-11 unterscheidet Beeinträchtigungen des Lesens und des schriftlichen Ausdrucks. Für eine klinische Diagnose werden nicht nur Testergebnisse, sondern Entwicklung, Lerngelegenheiten, Alltagsbeeinträchtigung und mögliche andere Erklärungen berücksichtigt. [2]

In klinischen Berichten aus Deutschland begegnen Eltern derzeit meist den Schlüsseln der ICD-10-GM. Die amtliche Fassung von 2026 führt unter anderem F81.0 Lese- und Rechtschreibstörung und F81.1 Isolierte Rechtschreibstörung. Diese Schlüssel können beim Lesen eines Befundes Orientierung geben. Sie sind jedoch weder eine Anleitung zur Selbstdiagnose noch deckungsgleich mit der schulischen Feststellung besonderer Schwierigkeiten oder allen Kategorien der ICD-11. [14]

Legasthenie und Dyslexie werden meist für ausgeprägte und anhaltende Schwierigkeiten des Lesens und oft auch des Rechtschreibens verwendet. „Dyslexie“ ist international vor allem auf das Lesen bezogen. Eine vollkommen einheitliche Verwendung gibt es jedoch nicht – auch in der Fachwelt werden Definitionen weiterentwickelt. Eine aktuelle internationale Konsensarbeit beschreibt Dyslexie als mehrfaktoriell bedingte Schwierigkeit beim Erwerb von Lesen und Rechtschreiben, bei der besonders Leseflüssigkeit und Rechtschreibung über Altersstufen und Sprachen hinweg wichtige Merkmale sind. [3]

Für Familien ist deshalb wichtiger als das Etikett: Welche Teilbereiche sind schwierig? Wie stark ist die Beeinträchtigung? Welche Unterstützung braucht das Kind jetzt?

1.3 Lesen, Rechtschreiben und Handschrift sind verschiedene Leistungen

Im Alltag wird alles, was auf Papier geschieht, schnell in einen Topf geworfen. Fachlich lohnt sich die Trennung:

  • Lesegenauigkeit: Werden Wörter richtig erkannt oder erlesen?
  • Lesegeschwindigkeit und Leseflüssigkeit: Werden Wörter ausreichend automatisiert erkannt, sodass ein Text in sinnvollen Einheiten gelesen werden kann?
  • Leseverständnis: Werden Wörter, Sätze, Zusammenhänge und die Absicht eines Textes verstanden?
  • Rechtschreibung: Werden Laute, Wortbausteine und orthografische Regeln passend verschriftlicht?
  • Schriftlicher Ausdruck: Können Gedanken geplant, sprachlich formuliert und als zusammenhängender Text festgehalten werden?
  • Handschrift und Graphomotorik: Können Buchstaben lesbar, flüssig und ohne unverhältnismäßige Anstrengung geschrieben werden?

Diese Bereiche beeinflussen einander, sind aber nicht identisch. Eine schwer lesbare Handschrift beweist keine Rechtschreibstörung. Umgekehrt kann ein Kind sehr ordentlich schreiben und trotzdem große orthografische Schwierigkeiten haben. Auch das Leseverständnis kann gut sein, wenn ein Text vorgelesen wird, obwohl das selbstständige Entziffern noch sehr langsam ist.

1.4 Es gibt nicht den „typischen Legastheniker-Fehler“

Das Vertauschen von b und d, ausgelassene Buchstaben oder lautgetreue Schreibungen gelten im Alltag oft als eindeutiges Erkennungszeichen. Das ist zu einfach.

Viele solcher Fehler kommen in bestimmten Phasen des normalen Schriftspracherwerbs vor. Auffällig werden sie erst im Zusammenhang mit Alter, Lernstand, Häufigkeit, Beständigkeit und weiteren Leistungen. Die hessische Handreichung betont ausdrücklich, dass es keine „typischen Legastheniker-Fehler“ gibt. Fehler sollen vielmehr zeigen, welche Strategie ein Kind bereits nutzt und welcher nächste Lernschritt sinnvoll ist. [1]

Ein Fehler ist also keine Diagnose. Er ist Information.

1.5 LRS ist keine Frage der Intelligenz

Ein Kind kann Zusammenhänge schnell erfassen, einen großen Wortschatz besitzen, technisch geschickt sein oder außergewöhnlich kreativ erzählen – und trotzdem sehr langsam lesen oder viele Rechtschreibfehler machen.

LRS ist kein Ausdruck mangelnder Intelligenz. Ebenso wenig macht eine LRS jemanden automatisch besonders kreativ, räumlich begabt oder genial. Solche positiven Zuschreibungen sind freundlich gemeint, ersetzen aber den Blick auf den einzelnen Menschen durch ein neues Klischee.

Die faire Botschaft lautet: Ihr Kind hat individuelle Stärken und individuelle Schwierigkeiten. Beides darf gesehen werden, ohne das eine gegen das andere aufzurechnen.

Kapitel 2: Die Baustelle Schriftsprache

Wie aus Zeichen flüssiges Lesen und richtiges Schreiben werden

Das Wichtigste auf einen Blick

Lesen ist nicht angeboren: Das Gehirn muss vorhandene Sprach-, Wahrnehmungs- und Gedächtnisprozesse für Schrift neu miteinander verbinden.

Automatisierung entlastet das Textverständnis: Solange das Entziffern viel Aufmerksamkeit bindet, bleibt weniger Kapazität für den Inhalt eines Textes.

Rechtschreiben ist mehr als „Schreiben nach Gehör“: Kinder müssen lautliche, silbische, orthografische und morphematische Strukturen zunehmend miteinander verbinden.

Fehler können Hinweise auf Entwicklungsstände geben: Eine qualitative Fehleranalyse kann zeigen, welche Strategie bereits trägt und wo der nächste Lernschritt liegen könnte.

2.1 Warum Erwachsene den Aufwand kaum noch bemerken

Lesen Sie das Wort Schmetterling.

Wahrscheinlich mussten Sie nicht bewusst überlegen, welcher Laut zu jedem Buchstaben gehört. Das Wort wurde innerhalb eines Augenblicks erkannt. Diese Automatisierung ist das Ergebnis jahrelanger Übung.

Am Anfang sieht derselbe Vorgang ungefähr so aus:

  1. Die Buchstaben müssen visuell unterschieden werden.
  2. Zu jedem Buchstaben oder jeder Buchstabengruppe wird ein Laut abgerufen.
  3. Die Laute werden in der richtigen Reihenfolge verbunden.
  4. Das entstehende Wort wird mit einer bekannten Bedeutung verknüpft.
  5. Mehrere Wörter werden zu einem Satz und mehrere Sätze zu einem Zusammenhang verbunden.

Mit zunehmender Übung werden häufige Buchstabenfolgen, Silben, Wortbausteine und ganze Wörter immer schneller erkannt. Wer flüssig liest, buchstabiert nicht heimlich schneller – das Gehirn verarbeitet größere Einheiten zunehmend automatisch.

2.2 Der Flaschenhals beim Lesen

Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis sind begrenzt. Wenn ein Kind fast die gesamte mentale Energie dafür braucht, die Wörter eines Satzes zu entziffern, bleibt weniger Kapazität für die Frage: „Was bedeutet dieser Satz eigentlich?“

Das erklärt ein scheinbares Paradox: Ein Kind kann einen vorgelesenen Text hervorragend verstehen und denselben Text beim eigenen Lesen kaum wiedergeben. Das ist kein Widerspruch und kein Beweis dafür, dass es „nicht aufgepasst“ hat. Die beiden Situationen stellen unterschiedliche Anforderungen.

Mit der Zeit können sich verschiedene Engpässe zeigen:

  • Buchstaben und Laute werden noch nicht sicher verbunden.
  • Das Zusammenziehen einzelner Laute gelingt nur mühsam.
  • Wörter werden zwar richtig, aber sehr langsam gelesen.
  • Häufige Wortteile werden nicht automatisiert erkannt.
  • Beim Satzende ist der Satzanfang nicht mehr ausreichend verfügbar.
  • Das Sprachverständnis oder der Wortschatz erschwert zusätzlich das Textverständnis.

Nicht jeder Engpass gehört zu jeder LRS. Deshalb genügt die Aussage „Das Kind liest schlecht“ nicht für eine passende Förderung.

2.3 Vom Laut zum geschriebenen Wort

Auch Rechtschreiben entwickelt sich schrittweise. Zu Beginn entdecken Kinder, dass gesprochene Wörter aus Lauten bestehen und dass Schriftzeichen diese Laute abbilden können. Farat für Fahrrad ist in diesem Stadium nicht einfach ein zufälliger Fehler. Das Kind hat bereits viel verstanden: Es zerlegt das Wort in hörbare Bestandteile und ordnet Buchstaben zu.

Für die korrekte Schreibung reicht die reine Lautanalyse jedoch nicht aus. Das Deutsche enthält mehrere Ebenen:

  • alphabetische Strategie: Laute hören und passenden Buchstaben zuordnen,
  • silbische Strategie: Silbenstruktur und Betonung nutzen,
  • orthografische Strategie: regelhafte Schreibungen und Wortmuster erkennen,
  • morphematische Strategie: Wortstämme und Wortbausteine nutzen, etwa Hund wegen Hunde oder fährt wegen fahren.

Diese Strategien werden nicht wie Treppenstufen einmalig abgeschlossen. Sie entwickeln sich teilweise parallel und werden bei neuen Wörtern immer wieder kombiniert. [1]

2.4 Warum ein Wort heute richtig und morgen falsch sein kann

Eltern erleben häufig, dass ein geübtes Wort in der Lernkartei richtig geschrieben wird und am nächsten Tag im freien Text wieder falsch erscheint. Das bedeutet nicht automatisch, dass das Üben wirkungslos war.

In der Lernkartei richtet sich die Aufmerksamkeit vollständig auf dieses eine Wort. Im freien Text muss das Kind gleichzeitig Ideen entwickeln, Sätze planen, Wortschatz abrufen, Grammatik beachten, lesbar schreiben und orthografische Entscheidungen treffen. Eine neue Strategie ist unter dieser Mehrfachbelastung oft noch nicht stabil verfügbar.

Lernen ist deshalb mehr als eine richtige Antwort. Eine Fähigkeit muss verstanden, wiederholt, in verschiedenen Situationen abgerufen und schließlich automatisiert werden.

2.5 Was eine qualitative Fehleranalyse leistet

Eine reine Fehlerzahl sagt, wie viel falsch geschrieben wurde. Eine qualitative Analyse fragt zusätzlich, wie die Fehler entstanden sein könnten:

  • Werden nicht alle Laute eines Wortes erfasst?
  • Sind bestimmte Laut-Buchstaben-Zuordnungen unsicher?
  • Fehlen silbische Strukturen?
  • Werden Regeln verstanden, aber noch nicht sicher angewendet?
  • Bleibt ein Wortstamm in verschiedenen Formen unerkannt?
  • Häufen sich Fehler erst unter Zeitdruck oder bei freien Texten?

Diese Fragen führen näher an die Förderung als ein pauschales „mehr üben“. In der CaLega-Lerntherapie kann für die Rechtschreibung unter anderem die Oldenburger Fehleranalyse (OLFA 3–9) genutzt werden, um Fehlerschwerpunkte einzuordnen und den Lernweg gezielter zu planen.

Kapitel 3: Die vielen Gesichter der LRS

Woran Schwierigkeiten erkennbar werden können – und woran nicht

Das Wichtigste auf einen Blick

Ein einzelnes Symptom reicht nicht: Erst das Muster über Zeit, Aufgaben und Situationen hinweg wird aussagekräftig.

Lesen und Rechtschreiben können getrennt betroffen sein: Eine isolierte Lesestörung oder isolierte Rechtschreibstörung ist möglich.

Das Erscheinungsbild verändert sich: Offensichtliche Anfängerfehler können später seltener werden, während Langsamkeit, Vermeidung und hoher Kraftaufwand bestehen bleiben.

Frühes Hinschauen bedeutet nicht frühes Etikettieren: Risiken und Förderbedarf können erkannt werden, bevor eine verlässliche Störungsdiagnose möglich ist.

3.1 Mögliche Hinweise vor der Schule

Im Vorschulalter kann noch keine Lese- oder Rechtschreibstörung anhand von Lese- und Rechtschreibleistungen diagnostiziert werden – die betreffende Fähigkeit wird schließlich erst aufgebaut. Es gibt jedoch Merkmale, die mit einem erhöhten späteren Risiko verbunden sein können.

Dazu gehören beispielsweise Schwierigkeiten,

  • Reime oder einzelne Laute in Wörtern zu erkennen,
  • Silben zu gliedern,
  • Buchstaben zu lernen und sicher zu benennen,
  • ähnlich klingende Wörter oder Laute zu unterscheiden,
  • bekannte Wörter, Farben oder Gegenstände schnell zu benennen,
  • sprachliche Informationen zuverlässig zu behalten.

Eine familiäre Häufung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten erhöht ebenfalls die Aufmerksamkeit für die Entwicklung. Keines dieser Merkmale sagt für sich allein voraus, dass ein Kind später eine LRS haben wird. Kinder entwickeln sich unterschiedlich, und Risiken können sich gegenseitig verstärken oder durch günstige Bedingungen abgefedert werden. Eine Meta-Analyse zu Kindern mit familiärem Risiko fand im Mittel Unterschiede bei phonologischen Fähigkeiten, breiteren Sprachleistungen, Buchstabenkenntnis und schnellem Benennen; die individuellen Verläufe blieben dennoch verschieden. [4]

3.2 Mögliche Hinweise zu Beginn des Schriftspracherwerbs

In der ersten und zweiten Klasse sind viele Fehler normal. Beobachtenswert wird es, wenn Schwierigkeiten deutlich ausgeprägt sind, über längere Zeit anhalten oder sich trotz passender Erklärung und Förderung kaum verändern.

Beim Lesen kann ein Kind beispielsweise:

  • Buchstaben und zugehörige Laute nur langsam sichern,
  • Laute einzeln nennen, aber schwer zu einem Wort verbinden,
  • Wörter anhand der ersten Buchstaben erraten,
  • Buchstaben, Silben oder Wörter auslassen oder hinzufügen,
  • sehr langsam, stockend oder ohne sinnvolle Betonung lesen,
  • die Zeile verlieren oder vor dem Vorlesen lange zögern.

Beim Rechtschreiben kann ein Kind beispielsweise:

  • nur besonders auffällige Laute notieren (Rke statt Rakete),
  • Buchstaben auslassen, hinzufügen oder umstellen,
  • dasselbe Wort in einem Text unterschiedlich schreiben,
  • lautgetreue Schreibungen entwickeln, aber orthografische Muster nicht festigen,
  • beim Abschreiben unerwartet viele Fehler machen,
  • Regeln im Gespräch erklären, aber im freien Schreiben nicht zuverlässig anwenden.

Diese Merkmale orientieren sich an den wissenschaftlich aufbereiteten LONDI-Informationen für Schule und Eltern. Auch hier gilt: Die Liste ist ein Anlass zum Hinschauen, keine Selbstdiagnose. [5]

3.3 Wenn gute Ideen im Heft klein werden

Bei älteren Kindern sind die ursprünglichen Schwierigkeiten manchmal weniger sichtbar. Sie vermeiden unbekannte Wörter, schreiben besonders kurze Sätze oder wählen nur Wörter, deren Schreibung sie kennen. Dadurch wirkt ein Text sprachlich einfacher als das, was das Kind mündlich ausdrücken kann.

Andere mögliche Hinweise sind:

  • sehr langsames Lesen bei grundsätzlich richtigem Ergebnis,
  • rasche Ermüdung bei längeren Texten,
  • Schwierigkeiten, Aufgabenstellungen unter Zeitdruck vollständig zu erfassen,
  • große Unterschiede zwischen mündlicher und schriftlicher Leistung,
  • Vermeidung des Vorlesens oder Schreibens,
  • übermäßig lange Hausaufgabenzeiten,
  • starke Abhängigkeit von Korrekturprogrammen oder anderen Personen,
  • auffällig wenige oder sehr allgemeine Formulierungen in freien Texten.

Eine gute Kompensationsstrategie ist zunächst eine Stärke. Sie kann aber verdecken, wie viel Energie ein Kind aufwendet. Deshalb sollte nicht nur das Endprodukt betrachtet werden, sondern auch der Weg dorthin.

3.4 Lesestörung, Rechtschreibstörung oder beides?

Lesen und Rechtschreiben hängen eng zusammen, entwickeln sich aber nicht vollkommen gleich. Ein Kind kann Wörter langsam und mühsam lesen, sie aber vergleichsweise sicher schreiben. Ein anderes liest ausreichend flüssig, während die Rechtschreibung weit hinter dem übrigen Lernstand zurückbleibt.

Für Diagnostik und Förderung ist diese Trennung wichtig. Ein allgemeines „LRS-Programm“ kann am Bedarf vorbeigehen, wenn es vorwiegend Rechtschreibung trainiert, obwohl die zentrale Hürde im flüssigen Wortlesen liegt – oder umgekehrt.

3.5 Was häufig verwechselt wird

Unaufmerksamkeit: Ein Kind kann Fehler machen, weil es abgelenkt ist. Es kann aber auch unaufmerksam wirken, weil das Lesen so viel Kraft kostet. ADHS und LRS können zudem gemeinsam auftreten. Aus der Beobachtung allein lässt sich die Richtung nicht sicher ableiten.

Sprachentwicklungsstörung: Schwierigkeiten mit Wortschatz, Grammatik oder Sprachverstehen können das Lesen und Textverständnis beeinflussen und gemeinsam mit einer LRS auftreten. Beides sollte bei entsprechenden Hinweisen untersucht werden.

Sehen und Hören: Nicht erkannte Seh- oder Hörprobleme können Lernen erschweren und gehören bei begründetem Verdacht abgeklärt. LRS wird jedoch nicht durch einen gewöhnlichen Sehtest oder eine Bildgebung des Gehirns diagnostiziert.

Fehlzeiten oder Unterrichtswechsel: Unterbrochene Lerngelegenheiten können erhebliche Lücken verursachen. Ob zusätzlich eine individuelle Lernstörung vorliegt, muss im Verlauf und mit geeigneter Förderung geklärt werden.

3.6 Mehrsprachigkeit fair beurteilen

Mehrsprachiges Aufwachsen ist für sich genommen keine Erklärung für eine LRS. Wie sicher ein Kind auf Deutsch liest und schreibt, hängt aber auch davon ab, seit wann, wie häufig und in welcher Qualität es Deutsch hört, spricht und schriftsprachlich lernt. Unterschiede zwischen den Laut- und Schriftsystemen der Sprachen können bestimmte Aufgaben zusätzlich beeinflussen. Gleichzeitig können mehrsprachige Kinder ebenso wie einsprachige Kinder anhaltende Lese- oder Rechtschreibschwierigkeiten entwickeln.

Eine faire Beurteilung fragt deshalb nicht nur nach einem deutschen Testergebnis. Zur Sprach- und Lernbiografie gehören beispielsweise:

  • welche Sprachen das Kind seit welchem Alter verwendet,
  • in welchen Sprachen und Schriftsystemen es unterrichtet wurde,
  • wie umfangreich die bisherigen Lerngelegenheiten auf Deutsch waren,
  • wie sich Lesen, Schreiben und mündliche Sprache in den verschiedenen Sprachen entwickelt haben,
  • ob die Schwierigkeiten vor allem in der noch weniger vertrauten Sprache oder über Sprachen hinweg auftreten,
  • welche Förderung bereits stattfand und wie das Kind darauf reagierte.

Standardisierte deutschsprachige Tests können wichtige Informationen liefern, ihre Normwerte müssen bei abweichender Sprach- und Lernbiografie jedoch besonders sorgfältig eingeordnet werden. Leistungen in mehreren Sprachen lassen sich nicht schlicht miteinander verrechnen. Sie können zusammen mit Lernverlauf, Unterrichtserfahrung und qualitativer Fehleranalyse aber helfen, Zweitspracherwerb, Lernlücken und eine mögliche Lernstörung besser voneinander zu unterscheiden. [2, 5]

Kapitel 4: Nicht die eine Ursache

Was die Forschung über Risiken weiß – und was sie noch nicht weiß

Das Wichtigste auf einen Blick

LRS gilt als multifaktoriell: Viele kleine Einflüsse können zusammenwirken; ein einzelner Auslöser erklärt die unterschiedlichen Verläufe nicht.

Familiäre und genetische Einflüsse sind gut belegt: Sie bestimmen jedoch nicht allein, wie sich Lesen und Schreiben bei einem konkreten Kind entwickeln.

Umwelt und Unterricht sind relevant: Lerngelegenheiten, Unterrichtsqualität, Sprache, Belastungen und Förderung können Entwicklung und Ausprägung beeinflussen.

Gehirnforschung erklärt Gruppenunterschiede, nicht das einzelne Kind: Derzeit gibt es keinen Hirnscan und keinen Gentest, der eine LRS zuverlässig diagnostiziert.

4.1 Warum die Suche nach dem einen Schuldigen scheitert

Wenn ein Kind große Schwierigkeiten hat, entsteht verständlicherweise die Frage: „Woher kommt das?“ Oft wird daraus sehr schnell eine Schuldfrage:

Haben wir zu wenig vorgelesen? War die Unterrichtsmethode falsch? Liegt es an den Medien? Habe ich meine eigene LRS vererbt?

Die Forschung stützt keine so einfache Geschichte. Lesen und Rechtschreiben sind komplexe Fähigkeiten. Ihre Entwicklung hängt unter anderem mit sprachlichen Voraussetzungen, phonologischer Verarbeitung, schneller Benennung, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsprozessen, Lerngelegenheiten, Unterricht, Übung und Motivation zusammen. Diese Faktoren wirken nicht bei jedem Kind gleich und sind nicht unabhängig voneinander.

Ein multifaktorielles Modell ist deshalb fachlich angemessener als die Suche nach einer einzigen Ursache. Manche Faktoren erhöhen statistisch ein Risiko. Manche schützen. Manche sind Folge anhaltender Misserfolge statt deren Ausgangspunkt. Und bei einem einzelnen Kind lässt sich die genaue Gewichtung oft nicht rückwirkend bestimmen.

Genauer betrachtet: Ähnliche Wörter, unterschiedliche Aussagen
Ein Risikofaktor erhöht statistisch die Wahrscheinlichkeit eines späteren Problems, legt den individuellen Verlauf aber nicht fest. Ein Prädiktor hilft bei der Vorhersage, ohne dadurch automatisch eine Ursache zu sein. Ein Korrelat tritt gemeinsam mit einer Schwierigkeit auf; die Richtung des Zusammenhangs bleibt zunächst offen. Von einer Ursache sollte erst gesprochen werden, wenn ein ursächlicher Einfluss ausreichend belegt ist. Ein Ansatzpunkt der Förderung wiederum ist etwas, das gezielt verändert werden kann. Er muss nicht mit der ursprünglichen Ursache identisch sein.

4.2 Gene sind Einfluss, kein Urteil

Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten treten in Familien gehäuft auf. Zwillings- und molekulargenetische Forschung spricht für einen erheblichen erblichen Anteil an Unterschieden in der Lesefähigkeit. Zugleich gibt es nicht „das LRS-Gen“. Sehr viele genetische Varianten tragen jeweils einen kleinen Teil bei.

Eine große genomweite Studie identifizierte zahlreiche statistisch mit Dyslexie verbundene Genorte. Die daraus gebildeten genetischen Risikowerte erklärten jedoch nur einen kleinen Teil der Unterschiede in Leseleistungen und sind keine klinischen Diagnosetests. [6]

Genauer betrachtet: Was „erblich“ nicht bedeutet
Angaben zur Erblichkeit beschreiben Unterschiede innerhalb einer untersuchten Gruppe unter bestimmten Umweltbedingungen. Sie sagen nicht, welcher Anteil der LRS eines einzelnen Kindes „genetisch verursacht“ ist. Hohe Erblichkeit bedeutet auch nicht Unveränderbarkeit: Unterricht, Förderung, Übung und Unterstützung können die Entwicklung weiterhin beeinflussen.

Für Eltern bedeutet das:

  • Eine eigene LRS kann ein wichtiger Hinweis für die Entwicklungsbeobachtung des Kindes sein.
  • Eine familiäre Belastung macht eine LRS wahrscheinlicher, aber nicht unvermeidlich.
  • Aus Genen lässt sich weder der genaue Verlauf noch der individuelle Fördererfolg ablesen.

4.3 Phonologische Verarbeitung – wichtig, aber nicht die ganze Geschichte

Die Fähigkeit, die Lautstruktur gesprochener Sprache zu erkennen und zu bearbeiten, spielt besonders am Anfang des Lesens und Schreibens eine wichtige Rolle. Viele Kinder mit LRS zeigen hier Schwierigkeiten. Auch schnelles automatisiertes Benennen – also der rasche Abruf vertrauter Bezeichnungen für Zeichen, Farben oder Gegenstände – ist häufig mit der späteren Leseflüssigkeit verbunden.

Trotzdem wäre die Aussage „LRS ist immer ein phonologisches Defizit“ zu absolut. Nicht alle Betroffenen zeigen dasselbe Profil, und aktuelle Konsensmodelle beschreiben mehrere mögliche Risikofaktoren. Phonologische Schwierigkeiten, sprachliche Fähigkeiten, familiäre Vorbelastung und die Beständigkeit von Problemen trotz Förderung gehören zu den bedeutsamen Hinweisen, nicht zu einem starren Pflichtpaket. [3]

4.4 Was Gehirnbilder zeigen – und was nicht

Genauer betrachtet: Gruppenbefunde sind keine Einzeldiagnose
In Studien finden sich im Mittel Unterschiede in Aktivität, Struktur oder Vernetzung von Hirnregionen, die an Sprach- und Schriftverarbeitung beteiligt sind. Solche Ergebnisse helfen, Hypothesen über Leseentwicklung zu prüfen.

Sie erlauben aber drei Schlussfolgerungen nicht:

  1. Man kann aus einem Gruppenmittel nicht zuverlässig auf das Gehirn eines einzelnen Kindes schließen.
  2. Ein Unterschied im Gehirn beweist für sich allein nicht, ob er Ursache, Folge oder Begleiterscheinung unterschiedlicher Leseerfahrung ist.
  3. Eine LRS kann derzeit nicht mit MRT, EEG oder einem anderen Hirnscan diagnostiziert werden.

Gerade bei diesem Thema ist Vorsicht mit Formulierungen wie „falsch verdrahtet“ oder „gestörtes Gehirn“ angebracht. Neurobiologische Forschung zeigt reale Zusammenhänge, aber kein einheitliches LRS-Gehirn. [7]

4.5 Welche Rolle Unterricht und Lernumwelt spielen

Hier ist eine ehrliche Differenzierung wichtig.

Unzureichende, unpassende oder häufig unterbrochene Lerngelegenheiten können den Schriftspracherwerb erschweren. Unterrichtsqualität, verfügbare Förderzeit, familiäre Ressourcen und der Zugang zu Büchern oder Sprache stehen mit Lernentwicklung in Zusammenhang. Eine klinische Diagnostik soll deshalb prüfen, ob die Schwierigkeiten besser durch mangelnde Lerngelegenheiten oder andere Bedingungen erklärt werden können. [2]

Gleichzeitig folgt daraus nicht, dass gute Beschulung jede LRS verhindert. Manche Kinder entwickeln trotz angemessenen Unterrichts und zusätzlicher Förderung anhaltende Schwierigkeiten. Umgekehrt ist die pauschale Aussage „Schlechter Unterricht verursacht nie LRS“ wissenschaftlich ebenfalls zu grob: Unterricht kann Leistung und Verlauf beeinflussen, und die Abgrenzung zwischen einer individuellen Störung und massiven umweltbedingten Lernproblemen ist nicht in jedem Fall einfach.

Die sinnvollere Frage lautet daher nicht: Wer ist schuld?
Sondern: Welche Voraussetzungen und Erfahrungen wirken hier zusammen – und welche veränderbaren Bedingungen können wir jetzt verbessern?

4.6 Was wir über digitale Medien sagen können

Digitale Medien sind weder eine anerkannte Einzelerklärung für LRS noch automatisch eine Lösung. Je nach Nutzung können sie Lernzeit verdrängen oder zusätzliche Ablenkung schaffen. Sie können aber ebenso Zugang zu Büchern, Vorlesefunktionen, Wörterbüchern und gezielter Übung ermöglichen.

Entscheidend sind Inhalt, Dauer, Alter, Begleitung und Zweck. Aus dem bloßen Vorhandensein eines Tablets lässt sich keine Ursache ableiten. Ein wissenschaftlich geprüftes digitales Förderprogramm ist zudem etwas anderes als beliebige Lernspiele oder passiver Medienkonsum.

Kapitel 5: Diagnostik als Gesamtbild

Warum ein Testwert wichtig ist – aber nie die ganze Geschichte erzählt

Das Wichtigste auf einen Blick

Screening ist nicht Diagnose: Ein kurzer Test kann einen Verdacht begründen, aber nicht alle notwendigen Fragen beantworten.

Lesen und Rechtschreiben werden getrennt geprüft: Genauigkeit, Geschwindigkeit und Verständnis können unterschiedliche Profile zeigen.

Entwicklung und Umfeld gehören dazu: Lerngelegenheiten, bisherige Förderung, Sprache, Sehen, Hören und psychische Belastungen müssen berücksichtigt werden.

Schulische und klinische Feststellung sind nicht dasselbe: In Hessen entscheidet die Klassenkonferenz über schulische Maßnahmen; ein externes Gutachten kann einbezogen werden, ist dafür aber nicht grundsätzlich Voraussetzung. [1]

5.1 Wann genauer hingeschaut werden sollte

Nicht jeder Fehler braucht eine große Diagnostik. Ein genauerer Blick ist sinnvoll, wenn Schwierigkeiten

  • deutlich stärker sind als bei vielen Gleichaltrigen,
  • über mehrere Monate bestehen bleiben,
  • Lesen, Schreiben oder Lernen spürbar beeinträchtigen,
  • trotz gezielter Unterstützung kaum zurückgehen,
  • zu Vermeidung, Angst, Streit oder starkem Selbstzweifel führen,
  • oder gemeinsam mit sprachlichen, aufmerksamkeitsbezogenen, motorischen oder emotionalen Auffälligkeiten auftreten.

Frühes Hinschauen soll nicht vorschnell etikettieren. Es soll verhindern, dass ein Kind erst jahrelang scheitern muss, bevor es passende Hilfe bekommt.

5.2 Der erste Weg führt häufig über die Schule

Eltern können Beobachtungen zunächst mit der Deutsch- oder Klassenlehrkraft besprechen. Hilfreiche Fragen sind:

  • Welche Teilbereiche fallen auf: Lesegenauigkeit, Tempo, Verständnis oder Rechtschreibung?
  • Seit wann bestehen die Schwierigkeiten?
  • Zeigen sie sich in mehreren Fächern und bei unterschiedlichen Aufgaben?
  • Welche Förderung wurde bereits durchgeführt?
  • Woran wurde der Lernfortschritt gemessen?
  • Gibt es einen individuellen Förderplan?
  • Welche schulischen Ansprechpersonen oder schulpsychologischen Angebote können einbezogen werden?

In Hessen gehört die Feststellung besonderer Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben zu den Aufgaben der Schule. Die Klassenkonferenz entscheidet über Fördermaßnahmen. Vorliegende Fachgutachten sollen berücksichtigt werden, sind für diese schulische Entscheidung aber keine Voraussetzung. [1]

Das ist von einer klinischen Diagnose zu unterscheiden. Beide Perspektiven können sich ergänzen, verfolgen aber nicht exakt denselben Zweck.

5.3 Was zu einer vertieften Diagnostik gehört

Eine sorgfältige Diagnostik setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen:

1. Gespräch und Entwicklungsgeschichte
Wann wurden Schwierigkeiten erstmals sichtbar? Wie verliefen Sprache, Schule und bisherige Förderung? Welche Stärken, Belastungen und Erwartungen gibt es? Bestehen ähnliche Schwierigkeiten in der Familie?

2. Standardisierte Lese- und Rechtschreibtests
Je nach Fragestellung werden Wort- und Pseudowortlesen, Lesegenauigkeit, Lesegeschwindigkeit, Textverständnis und Rechtschreibung untersucht. Die Ergebnisse werden mit einer geeigneten Normgruppe verglichen.

3. Qualitative Analyse
Testwerte zeigen die Ausprägung. Eine qualitative Betrachtung untersucht zusätzlich Strategien und Fehlermuster, um Förderentscheidungen abzuleiten.

4. Allgemeine Lern- und Leistungsfähigkeit
Eine klinische Diagnostik betrachtet die allgemeine Lernfähigkeit und das übrige Entwicklungsprofil. Dabei sind drei Aussagen auseinanderzuhalten:

  • Eine bestimmte rechnerische Differenz zwischen Intelligenztest und Lese- oder Rechtschreibleistung ist nicht notwendig, um anhaltende spezifische Schwierigkeiten fachlich einzuordnen.
  • Ein Intelligenztest allein kann eine LRS weder beweisen noch ausschließen.
  • Die allgemeine kognitive und sprachliche Entwicklung bleibt dennoch relevant, weil sie hilft, das Gesamtprofil, mögliche umfassendere Lernbeeinträchtigungen und passende Unterstützung zu verstehen.

Die frühere IQ-Diskrepanzregel ist damit eine psychometrische Entscheidungsregel – keine Erklärung für die Entstehung einer LRS. Sie darf nicht mit dem multifaktoriellen Ursachenmodell verwechselt werden. [2, 3]

5. Körperliche und sensorische Faktoren
Bei entsprechenden Hinweisen werden insbesondere Sehen und Hören überprüft. Das dient der Differenzialdiagnostik, nicht der Suche nach einem vermeintlich typischen „LRS-Sehfehler“.

6. Begleitende Entwicklung und psychische Belastung
Aufmerksamkeit, Sprache, Rechnen, Motorik, Angst, Stimmung, Selbstwert und Verhalten können für das Gesamtbild und den Unterstützungsplan wichtig sein.

5.4 Warum ein Prozentrang nicht das Kind ist

Standardisierte Tests sind wichtig, weil Alltagseindrücke täuschen können. Ein Testwert zeigt, wie eine Leistung im Vergleich zu einer Normgruppe einzuordnen ist. Er ist aber keine vollständige Erklärung.

Das Ergebnis kann unter anderem durch Testauswahl, Normen, Tagesform, Zeitdruck, Aufgabenformat, Sprachkenntnisse und zusätzliche Schwierigkeiten beeinflusst werden. Eine seriöse Diagnostik interpretiert den Wert deshalb im Zusammenhang und dokumentiert Unsicherheiten.

Auch Grenzwerte dürfen nicht dazu führen, zwei fast gleich belastete Kinder völlig unterschiedlich zu behandeln. Förderbedarf beginnt nicht erst exakt unter einer statistischen Linie.

5.5 Wer diagnostiziert?

Wer eine klinische Diagnose stellen kann und welche Stellungnahme für Schule, Jugendamt oder andere Stellen benötigt wird, hängt von Fragestellung, Qualifikation und den jeweiligen Vorgaben ab. Als Anlaufstellen kommen insbesondere infrage:

  • Praxen oder Ambulanzen für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie,
  • Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten mit entsprechender Diagnostik,
  • Sozialpädiatrische Zentren,
  • qualifizierte psychologische oder schulpsychologische Fachstellen, abhängig von Auftrag und regionaler Regelung.

Welche Unterlagen für Schule, Jugendamt oder andere Kostenträger anerkannt werden, sollte vorab bei der zuständigen Stelle erfragt werden. Die Anforderungen sind nicht bundesweit einheitlich.

CaLega stellt keine klinische LRS-Diagnose. Unsere Lernanalyse verfolgt eine förderdiagnostische Frage: Welche Fähigkeiten und Strategien sind vorhanden, wo beginnt die Schwierigkeit und wie kann die Lerntherapie sinnvoll ansetzen?

Mehr über die förderdiagnostische Lernanalyse bei CaLega

Kapitel 6: Was nach heutigem Forschungsstand hilft

Warum passgenaue Arbeit an Lesen und Rechtschreiben im Mittelpunkt steht

Das Wichtigste auf einen Blick

Im Mittelpunkt steht die betroffene Fähigkeit selbst: Gut begründete Ansätze arbeiten direkt und systematisch an Lesen, Rechtschreiben und ihren schriftsprachlichen Grundlagen.

Förderung beginnt am tatsächlichen Entwicklungsstand: Nicht die Klassenstufe, sondern das individuelle Kompetenzprofil bestimmt den nächsten Schritt.

Fortschritt muss überprüft werden: Förderung ist kein unveränderliches Programm; sie wird anhand der Lernentwicklung angepasst.

Psychische Entlastung gehört dazu: Fachliche Förderung und Arbeit an Selbstwert, Motivation und Lernverhalten können sich gegenseitig unterstützen.

6.1 Eine zentrale Grundregel: an der Schriftsprache arbeiten

Eine zentrale übereinstimmende Aussage der bisherigen Leitlinie, von Meta-Analysen und aktuellen LONDI-Informationen lautet: Eine Förderung sollte direkt an den Lese- und Rechtschreibfähigkeiten sowie ihren schriftsprachlichen Grundlagen ansetzen. Allgemeine Wahrnehmungs-, Gleichgewichts- oder Funktionstrainings ersetzen diese Arbeit nicht. [5, 8, 9, 10]

Das klingt selbstverständlich, wird aber in der Praxis häufig umgangen. Angebote versprechen, zunächst eine angebliche Grundfunktion zu reparieren – etwa Augenbewegungen, Richtungssinn oder unspezifisches Gedächtnis – und dadurch werde das Lesen später von allein besser. Für eine allgemeine LRS-Behandlung ist ein solcher Transfer nicht ausreichend belegt.

Zusätzliche Schwierigkeiten können eine eigene Behandlung oder Förderung erfordern. Gezielte visuelle, auditive oder motorische Maßnahmen können bei einer davon unabhängig festgestellten Seh-, Hör- oder Bewegungsbeeinträchtigung sinnvoll sein. Ein Kind mit ADHS kann ebenfalls eine eigene evidenzbasierte Behandlung benötigen. Solche Maßnahmen erfüllen dann einen eigenständigen Zweck, ersetzen aber nicht die direkte Förderung des Lesens oder Rechtschreibens.

6.2 Bausteine einer wirksamen Leseförderung

Welche Übungen sinnvoll sind, hängt vom Engpass ab. Mögliche Bausteine sind:

Buchstaben-Laut-Zuordnung sichern
Wenn einzelne Zuordnungen noch unsicher sind, werden sie systematisch aufgebaut und automatisiert.

Phonologische Bewusstheit mit Schrift verbinden
Besonders zu Beginn kann es hilfreich sein, Laute zu erkennen, zu verbinden oder zu zerlegen. Die Wirkung auf Lesen und Schreiben ist größer, wenn solche Übungen mit Buchstaben und konkreten Leseaufgaben verknüpft werden, statt nur mündlich stattzufinden.

Dekodieren systematisch aufbauen
Das Kind übt, unbekannte Wörter tatsächlich zu erlesen, statt sie anhand einzelner Merkmale zu erraten. Pseudowörter können zeigen, ob die Strategie auch ohne gespeichertes Wortbild trägt.

Größere Einheiten automatisieren
Silben, häufige Vor- und Endsilben, Wortbausteine und wiederkehrende Muster entlasten das schrittweise Erlesen.

Leseflüssigkeit entwickeln
Kurze, passend schwierige Texte können wiederholt, im Tandem oder begleitet gelesen werden. Ziel ist nicht möglichst schnelles Lesen um jeden Preis, sondern ein zunehmend genaues, flüssiges und sinngestaltendes Lesen.

Textverständnis gezielt unterstützen
Vorwissen aktivieren, unbekannte Wörter klären, Abschnitte zusammenfassen und Beziehungen im Text sichtbar machen. Wenn das Dekodieren sehr anstrengend ist, kann ein vorgelesener oder digital ausgegebener Text den Zugang zum Inhalt sichern, während die Lesefähigkeit separat trainiert wird.

Eine aktuelle Meta-Analyse von 53 Interventionsstudien mit mehr als 6.000 Kindern im Grundschulalter fand im Mittel einen kleinen positiven Effekt strukturierter Leseinterventionen. Die Effekte unterschieden sich zwischen Studien; kein einzelnes Merkmal garantiert Erfolg für jedes Kind. [9]

6.3 Bausteine einer wirksamen Rechtschreibförderung

Auch Rechtschreibförderung muss beim individuellen Stand beginnen:

  • Laute in Wörtern wahrnehmen und vollständig verschriften,
  • Laut-Buchstaben-Zuordnungen sichern,
  • Silbenstrukturen und Betonungsmuster nutzen,
  • orthografische Regelmäßigkeiten verstehen und anwenden,
  • Wortstämme und Morpheme erkennen,
  • häufige Wörter und Ausnahmen gezielt sichern,
  • Strategien im freien Schreiben abrufen und kontrollieren.

Das bloße Abschreiben eines falsch geschriebenen Wortes in langen Reihen erzeugt viel Wiederholung, aber nicht zwingend das Verständnis der zugrunde liegenden Strategie. Sinnvoller ist eine begrenzte, erklärbare Auswahl mit direktem Feedback und späterem Abruf in wechselnden Zusammenhängen.

Eine Meta-Analyse von Rechtschreibinterventionen bei Schülerinnen und Schülern mit oder mit Risiko für Lernstörungen fand positive Effekte auf Rechtschreibung und kleinere Übertragungseffekte auf das Wortlesen. Besonders erfolgreich waren je nach Ziel unterschiedliche Ansätze; auch das spricht für eine passende Auswahl statt eines Einheitsprogramms. [10]

6.4 Warum „mehr vom Gleichen“ oft nicht reicht

Klassische Nachhilfe orientiert sich häufig am aktuellen Unterrichtsstoff: das nächste Diktat, der nächste Aufsatz, die nächste Grammatikarbeit. Das kann bei vorübergehenden Lücken sinnvoll sein.

Bei anhaltenden grundlegenden Schwierigkeiten liegt das Problem jedoch häufig unterhalb des aktuellen Stoffes. Ein Kind soll dann beispielsweise Groß- und Kleinschreibung anwenden, obwohl es Wortarten noch nicht sicher erkennt, oder einen Text zusammenfassen, während das Entziffern fast die gesamte Aufmerksamkeit verbraucht.

Eine lerntherapeutische Förderung kann deshalb zu der Stelle zurückgehen, an der der Lernweg unsicher wurde. Das ist kein „Zurückstufen“, sondern schafft eine Grundlage dafür, dass neue Inhalte später besser tragen können.

6.5 Was der Name eines Förderprogramms noch nicht verrät

Ein bekanntes oder lange verwendetes Programm ist nicht automatisch für jedes Kind geeignet. Auch die Aussage „wissenschaftlich geprüft“ bleibt ohne nähere Angaben unvollständig. Entscheidend ist unter anderem:

  • Welche genaue Programmversion wurde untersucht?
  • Für welche Altersgruppe und welchen Lernstand ist sie gedacht?
  • Zielt sie auf Lesen, Rechtschreiben oder einen bestimmten Teilprozess?
  • Mit welcher Vergleichsgruppe wurde sie geprüft?
  • Verbesserten sich nur die direkt geübten Aufgaben oder auch andere relevante Lese- und Rechtschreibleistungen?
  • Welche Dauer, Häufigkeit, Gruppengröße und Qualifikation setzte die Untersuchung voraus?
  • Gibt es unabhängige Studien oder erkennbare Interessenkonflikte?

Deshalb nennt diese Seite kein Programm als pauschale „beste Methode“. LONDI kann bei der ersten Orientierung zu Förderangeboten helfen; für eine Empfehlung bleiben das individuelle Kompetenzprofil, die konkrete Programmfassung, die Qualität der Wirksamkeitsnachweise und die fachgerechte Durchführung entscheidend. [5]

6.6 Wie lange dauert Förderung?

Eine seriöse Antwort lautet: Das lässt sich nicht allein aus der Diagnose ableiten.

Dauer und Verlauf hängen unter anderem von Ausgangslage, Alter, Teilbereich, Intensität, zusätzlichen Schwierigkeiten, Passung der Methode, regelmäßiger Teilnahme und verfügbaren Lerngelegenheiten ab. Manche Fertigkeiten verbessern sich schneller, andere benötigen lange Automatisierungsphasen.

Wichtig sind überprüfbare Zwischenziele. Wenn über einen angemessenen Zeitraum kein Lernfortschritt sichtbar wird, sollte nicht einfach nur die Übungsmenge erhöht werden. Dann müssen Ziel, Methode, Schwierigkeit, Häufigkeit und mögliche zusätzliche Einflussfaktoren neu betrachtet werden.

Bei CaLega arbeiten wir häufig bis zu zwei Jahre mit unseren Klientinnen und Klienten. Das ist eine Erfahrungsgröße unserer Praxis, kein wissenschaftlich allgemeingültiger Standard und keine Garantie für einen bestimmten individuellen Verlauf.

Mehr über die Lerntherapie bei LRS bei CaLega

Kapitel 7: Wenn Lernen weh tut

Selbstwert, Familie und der Kreislauf aus Misserfolg und Vermeidung

Das Wichtigste auf einen Blick

LRS ist mehr als eine Fehlerzahl: Wiederholte Misserfolge können Selbstbild, Motivation, Verhalten und seelisches Wohlbefinden belasten.

Zusammenhang ist nicht automatisch Ursache: Psychische Belastungen treten im Mittel häufiger auf, ihre Entstehung ist aber individuell und oft wechselseitig.

Vermeidung schützt kurzfristig: Langfristig nimmt sie Lerngelegenheiten und kann Schwierigkeiten verstärken.

Eltern müssen nicht die zweite Therapiepraxis sein: Beziehung, Entlastung und koordinierte kurze Übungen sind meist hilfreicher als täglicher Kampf.

Eine LRS allein begründet keine Eingliederungshilfe: Für § 35a SGB VIII müssen zusätzlich die gesetzlichen Voraussetzungen zur seelischen Gesundheit und zur Teilhabe erfüllt sein.

7.1 Der Kreislauf, den niemand geplant hat

Ein Kind liest langsam. Deshalb wird es häufiger korrigiert, braucht länger und erlebt mehr Misserfolge. Vor dem nächsten Text steigt die Anspannung. Unter Anspannung gelingen Abruf und Konzentration schlechter. Das Kind vermeidet das Lesen, erhält dadurch weniger Übung und wird im Vergleich zur Klasse weiter zurückgeworfen.

Dieser Kreislauf kann sich ähnlich beim Rechtschreiben entwickeln:

Schwierigkeit → Fehler → Kritik oder Scham → Anspannung → Vermeidung → weniger passende Übung → noch größere Unsicherheit

Kein Beteiligter entscheidet sich bewusst für diesen Weg. Eltern wollen helfen, Lehrkräfte müssen Leistungen beurteilen, und das Kind versucht, sich vor einem weiteren schmerzhaften Erlebnis zu schützen.

7.2 „Keine Lust“ kann eine Schutzstrategie sein

Ein Kind, das den Stift wegwirft, Witze macht, Bauchschmerzen bekommt oder behauptet, die Aufgabe sei langweilig, zeigt nicht zwingend mangelndes Interesse. Das Verhalten kann eine Strategie sein, um eine erwartete Niederlage zu vermeiden.

Das bedeutet nicht, dass jede Verweigerung durch LRS erklärt wird oder keine Grenzen mehr gelten. Es verändert aber die pädagogische Frage:

Statt „Wie zwinge ich das Kind, endlich anzufangen?“ kann es hilfreicher sein zu fragen: „Welche Anforderung ist gerade zu groß, und wie machen wir den ersten Schritt erreichbar?“

7.3 Was die Forschung zur psychischen Belastung zeigt

Kinder mit Sprach- und Lernstörungen zeigen in Meta-Analysen im Mittel mehr nach innen gerichtete Belastungen – etwa Ängste oder Niedergeschlagenheit – und mehr nach außen gerichtete Auffälligkeiten als Vergleichsgruppen. Die durchschnittlichen Unterschiede sind statistisch bedeutsam, beschreiben aber nicht jedes Kind. [11]

Für schwache Leserinnen und Leser wurde zudem ein im Mittel niedrigeres Selbstkonzept gefunden, besonders im direkt betroffenen Bereich Lesen und Schreiben. [12] Eine aktuelle Meta-Analyse zeigt einen moderaten negativen Zusammenhang zwischen Leseangst und Leseleistung. Die Autorinnen und Autoren betonen ausdrücklich, dass daraus noch keine eindeutige Kausalrichtung folgt: Schwierigkeiten können Angst fördern, Angst kann Leistung beeinträchtigen, und beides kann sich gegenseitig verstärken. [13]

Die Konsequenz ist nicht, jedes Kind mit LRS als psychisch krank zu betrachten. Die Konsequenz ist, das seelische Erleben nicht als Nebensache abzutun.

7.4 Entlastung ohne Absenken des Zutrauens

Ein Kind braucht weder ständige Schonung noch permanenten Druck. Hilfreich ist die Verbindung aus realistischer Anforderung und passender Unterstützung:

  • Aufgaben so wählen, dass echte Anstrengung möglich ist, ohne vorhersehbares Scheitern,
  • Fortschritt konkret benennen statt allgemein zu loben,
  • Fehler als Information behandeln,
  • Inhalt und Rechtschreibung zeitweise getrennt rückmelden,
  • unnötige öffentliche Bloßstellung vermeiden,
  • ausreichend Zeit und Pausen einplanen,
  • Interessen und Kompetenzen außerhalb der Schriftsprache sichtbar halten.

„Das ist dir heute leichter gefallen als letzte Woche“ ist für ein Kind oft glaubwürdiger als „Super gemacht“, wenn es selbst noch viele Fehler sieht.

7.5 Die Rolle der Eltern

Eltern sind wichtig – aber sie müssen nicht jeden Nachmittag zu Hilfslehrkräften werden.

Wenn Hausaufgaben und Üben regelmäßig eskalieren, kann mehr Übung sogar weniger Lernzeit bedeuten: Das Kind beschäftigt sich dann vor allem mit Stress, nicht mit Schrift. Zusätzliche Übungen sollten deshalb mit Schule oder Lerntherapie abgestimmt, kurz und inhaltlich passend sein.

Eltern können besonders viel bewirken, indem sie:

  • zuhören und Belastung ernst nehmen,
  • die Schwierigkeit erklären, ohne sie zur Identität des Kindes zu machen,
  • Anstrengung und Strategie würdigen,
  • gemeinsame Lesezeiten positiv und überschaubar halten,
  • vorlesen oder Hörbücher ermöglichen, damit Inhalte nicht verloren gehen,
  • mit Schule und Förderung Informationen austauschen,
  • freie Zeit, Freundschaften und Hobbys schützen.

Ein Hörbuch ist kein Betrug. Es ersetzt nicht jedes Lesetraining, ermöglicht aber Zugang zu Sprache, Geschichten und Wissen. Förderung und Teilhabe dürfen gleichzeitig stattfinden.

7.6 Wenn zusätzliche Hilfe nötig ist

Anhaltende Schulangst, starke Niedergeschlagenheit, häufige körperliche Beschwerden ohne ausreichende medizinische Erklärung, sozialer Rückzug, massive Konflikte oder Aussagen über Selbstverletzung und Lebensüberdruss gehören professionell abgeklärt.

Lerntherapie kann Selbstwert und Handlungsfähigkeit unterstützen. Sie ersetzt jedoch keine notwendige kinder- und jugendpsychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Umgekehrt ersetzt eine Behandlung von Angst oder ADHS nicht automatisch die direkte Förderung des Lesens und Rechtschreibens. Bei mehreren Belastungen braucht es eine abgestimmte Priorisierung.

7.7 Wann § 35a SGB VIII eine Rolle spielen kann

Die folgenden Hinweise dienen der allgemeinen Orientierung und sind keine Rechtsberatung.

Eine LRS oder eine klinische LRS-Diagnose allein begründet noch keinen Anspruch auf Eingliederungshilfe. § 35a SGB VIII kann relevant werden, wenn zwei miteinander verbundene Voraussetzungen erfüllt sind:

  1. Die seelische Gesundheit des Kindes oder Jugendlichen weicht mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand ab.
  2. Dadurch ist die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt oder eine solche Beeinträchtigung ist zu erwarten. [15]

Die Formulierung „mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate“ ist auch auf die erwartete weitere Entwicklung gerichtet. Sie bedeutet nicht, dass ein Kind zunächst sechs Monate lang beeinträchtigt gewesen sein muss, bevor ein Antrag geprüft werden kann.

Für die Beurteilung der seelischen Gesundheit holt der Träger der öffentlichen Jugendhilfe eine fachliche Stellungnahme ein. Das Gesetz nennt dafür neben entsprechend qualifizierten Ärztinnen und Ärzten auch Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten sowie weitere psychotherapeutische Fachpersonen mit der geforderten Erfahrung. Über die Teilhabebeeinträchtigung und die Hilfe entscheidet der zuständige Jugendhilfeträger im Einzelfall. Aus einer Diagnose lässt sich daher auf dieser Seite kein persönlicher Anspruch ableiten. [15]

Mehr zu Kosten und einer möglichen Kostenübernahme über das Jugendamt

Kapitel 8: Schule, Ausgleich und Zukunft

Warum Unterstützung keine Bevorzugung ist

Das Wichtigste auf einen Blick

Förderung ist Aufgabe der Schule: In Hessen haben Schülerinnen und Schüler mit besonderen Schwierigkeiten beim Lesen oder Rechtschreiben in allen Schulformen Anspruch auf individuelle Förderung. [1]

Nachteilsausgleich und Notenschutz sind nicht dasselbe: Der Nachteilsausgleich verändert Bedingungen; Notenschutz verändert die Bewertung und ist nachrangig zu prüfen.

Maßnahmen müssen individuell beschlossen werden: Es gibt keinen automatisch passenden Standardkatalog für jedes Kind mit LRS.

LRS endet nicht zwingend mit der Grundschule: Das Erscheinungsbild kann sich verändern; Hilfsmittel, Strategien und gute Grundfertigkeiten bleiben auch später wichtig.

8.1 Förderung, Nachteilsausgleich und Notenschutz

Diese Begriffe werden häufig vermischt:

Förderung soll Fähigkeiten aufbauen. Dazu gehören beispielsweise ein individueller Förderplan, binnendifferenzierte Aufgaben oder Förderunterricht.

Nachteilsausgleich verändert die Art und Weise oder die äußeren Bedingungen, unter denen eine Leistung erbracht wird, ohne das fachliche Anforderungsniveau grundsätzlich zu verändern. Je nach individuellem Bedarf können beispielsweise mehr Zeit, geeignete technische Hilfsmittel, angepasste Aufgabenpräsentation oder Vorlesemöglichkeiten infrage kommen.

Abweichungen von den Grundsätzen der Leistungsfeststellung können die Form der Leistungserbringung oder einzelne Anforderungen verändern.

Notenschutz bedeutet eine Abweichung von den allgemeinen Grundsätzen der Leistungsbewertung, etwa wenn Rechtschreibleistungen teilweise oder zeitweise anders gewichtet werden. Er ist in Hessen als nachrangige Maßnahme vorgesehen: Zunächst soll geprüft werden, ob Förderung und Nachteilsausgleich ausreichen. [1]

Welche Maßnahme geeignet und rechtlich möglich ist, hängt von Schulform, Jahrgang, Fach, Prüfungssituation und individuellem Förderplan ab. Diese Seite kann daher keinen persönlichen Anspruch aus einer Diagnose ableiten.

8.2 Was in Hessen besonders wichtig ist

Für die CaLega-Praxis in Rodgau ist die hessische Regelung maßgeblich. Nach der VOGSV und der Handreichung von 2025 gilt unter anderem:

  • Besondere Schwierigkeiten werden schulisch durch die Klassenkonferenz festgestellt.
  • Ein externes Fachgutachten wird einbezogen, ist aber nicht grundsätzlich Voraussetzung für die schulische Feststellung.
  • Für betroffene Schülerinnen und Schüler wird ein individueller Förderplan erstellt und regelmäßig fortgeschrieben.
  • Fördermaßnahmen, Nachteilsausgleich und mögliche Abweichungen werden von der Klassenkonferenz beschlossen.
  • Die Maßnahmen sollen individuell, problemangemessen und mit fachlicher Förderung verbunden sein.
  • Für die Sekundarstufe II und Abschlussprüfungen gelten besondere Verfahren und Einschränkungen.

Regelungen können geändert werden. Eltern sollten den aktuellen Förderplan mit der Schule besprechen und bei offenen Fragen die zuständige schulische Ansprechperson oder das Staatliche Schulamt einbeziehen. [1]

8.3 Warum ein Nachteilsausgleich nicht „unfair“ ist

Gleichbehandlung bedeutet nicht, dass alle Menschen unter identischen Bedingungen dasselbe tun müssen. Fairness fragt, welche Barriere eine Leistung verfälscht.

Wenn in einer Geschichtsarbeit historisches Wissen geprüft werden soll, kann eine massive Lesebelastung verhindern, dass ein Kind sein Wissen zeigt. Eine passende Unterstützung soll nicht die Geschichte leichter machen. Sie soll verhindern, dass ungewollt vor allem Lesegeschwindigkeit geprüft wird.

Gleichzeitig muss jede Maßnahme zur konkreten Aufgabe passen. Wenn Lesegenauigkeit selbst Gegenstand einer Prüfung ist, kann dieselbe Hilfe fachlich nicht neutral sein. Deshalb braucht Nachteilsausgleich individuelle und transparente Entscheidungen statt pauschaler Rezepte.

8.4 Der Übergang in Jugend und Erwachsenenalter

Mit zunehmendem Alter verschwinden auffällige Anfängerfehler oft. Viele Betroffene entwickeln Strategien, nutzen digitale Hilfsmittel und wählen Aufgaben so, dass ihre Stärken zum Tragen kommen. Anhaltend sein können beispielsweise:

  • ein langsames Lesetempo,
  • rasche Ermüdung bei langen Texten,
  • Unsicherheit bei seltenen oder fachsprachlichen Wörtern,
  • hoher Zeitbedarf für schriftliche Arbeiten,
  • Vermeidung spontanen Vorlesens oder Schreibens,
  • Schwierigkeiten in Fremdsprachen,
  • Abhängigkeit von Korrektur- und Vorlesefunktionen.

Das bedeutet nicht, dass Entwicklung abgeschlossen ist. Auch Jugendliche und Erwachsene können ihre Fähigkeiten verbessern. Gleichzeitig ist es legitim, technische Hilfen zu nutzen und Arbeitsabläufe an das eigene Profil anzupassen.

8.5 Hilfsmittel sind Werkzeuge, keine Kapitulation

Vorlesefunktionen, Diktierprogramme, elektronische Wörterbücher, Rechtschreibkorrektur und eine gut lesbare Textgestaltung können Barrieren reduzieren. Ihr Einsatz sollte zum Ziel passen:

  • Beim Lesetraining muss das Kind selbst lesen.
  • Beim Wissenserwerb kann Vorlesen den Zugang zum Inhalt sichern.
  • Beim Rechtschreibtraining sollte die Zielstrategie ohne automatische Korrektur geübt werden.
  • Beim Verfassen eines umfangreichen Sachtextes kann Korrekturtechnik ermöglichen, dass Inhalt und Struktur angemessen sichtbar werden.

Die Frage ist nicht „Hilfsmittel oder Lernen?“. Gute Unterstützung verbindet Kompetenzaufbau und Teilhabe.

8.6 Eine realistische, hoffnungsvolle Botschaft

LRS kann hartnäckig sein. Sie ist kein Versprechen, dass alles mit dem richtigen Trick schnell verschwindet. Sie ist aber auch kein Urteil über Bildungsweg, Beruf oder Lebenszufriedenheit.

Kinder profitieren, wenn Erwachsene früh reagieren, genau hinschauen, wirksame Förderung auswählen und Belastung ernst nehmen. Fortschritt kann klein beginnen: ein Wort selbstständig erlesen, eine Strategie im freien Text abrufen, zum ersten Mal freiwillig ein Buch aufschlagen oder nach einem Fehler weiterarbeiten.

Das Ziel ist nicht ein fehlerfreies Kind. Das Ziel ist ein Mensch, der lesen und schreiben immer sicherer nutzen kann – ohne sich selbst an seinen Fehlern zu messen.

Weiterführende Informationen

  • LONDI – Lernstörungen Onlineplattform für Diagnostik und Intervention: Wissenschaftlich aufbereitete Informationen und Hilfssysteme für Eltern, Schule, Schulpsychologie und Lerntherapie: www.londi.de
  • Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen: Aktuelle Informationen und die Handreichung zu besonderen Schwierigkeiten beim Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen: Individuelle Förderung
  • Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.: Informationen, Beratung und regionale Vernetzung für Betroffene und Familien: www.bvl-legasthenie.de
  • Fachverband für integrative Lerntherapie e. V.: Informationen zu Lerntherapie und fachlichen Standards: www.lerntherapie-fil.de

Quellenverzeichnis

Die Quellen sind nach ihrer Funktion ausgewählt. Klassifikationen beschreiben diagnostische Kategorien und Anforderungen. Konsensarbeiten helfen bei Definitionen und fachlicher Einordnung. Systematische Übersichten und Meta-Analysen bilden die wichtigste Grundlage für zusammenfassende Aussagen zur Wirksamkeit von Förderung, sind aber von der Qualität der eingeschlossenen Studien abhängig. LONDI dient vor allem der wissenschaftsnahen Übersetzung in den Alltag. Hinzu kommen die für den Standort Rodgau relevanten hessischen Schulregelungen und bundesrechtlichen Grundlagen. Keine einzelne Quelle vertritt automatisch in jeder Detailfrage einen endgültigen Konsens.

1. Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen (2025): Besondere Schwierigkeiten beim Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen. Handreichung zur Umsetzung des sechsten Teils der Verordnung zur Gestaltung des Schulverhältnisses (VOGSV). 3. unveränderte Auflage, November 2025. PDF

2. World Health Organization (2024): Clinical descriptions and diagnostic requirements for ICD-11 mental, behavioural and neurodevelopmental disorders. Abschnitt „Developmental learning disorder“. WHO-Publikation

3. Carroll, J. M. et al. (2025): Toward a consensus on dyslexia: findings from a Delphi study. Journal of Child Psychology and Psychiatry. Volltext bei PubMed Central
Ergänzend: Catts, H. W., Haynes, C. W. & Joshi, R. M. (2026): Defining dyslexia: 2025 revision. Annals of Dyslexia. Volltext

4. Snowling, M. J. & Melby-Lervåg, M. (2016): Oral language deficits in familial dyslexia: A meta-analysis and review. Psychological Bulletin, 142(5), 498–545. PubMed

5. LONDI – Lernstörungen Onlineplattform für Diagnostik und Intervention: Anzeichen und Fördermöglichkeiten bei einer Lese- und Rechtschreibstörung sowie Informationen und Maßnahmen für Eltern. Verbundprojekt unter anderem von DIPF und LMU Klinikum, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Für Lehrkräfte · Für Eltern

6. Doust, C. et al. (2022): Discovery of 42 genome-wide significant loci associated with dyslexia. Nature Genetics, 54, 1621–1629. PubMed

7. Protopapas, A. & Parrila, R. (2018): Is Dyslexia a Brain Disorder? Brain Sciences, 8(4), 61. PubMed Central
Ergänzend: Vandermosten, M. et al. (2016): Integrating MRI brain imaging studies of pre-reading children with current theories of developmental dyslexia: A review and quantitative meta-analysis. Current Opinion in Behavioral Sciences, 10, 155–161. PubMed

8. Galuschka, K., Ise, E., Krick, K. & Schulte-Körne, G. (2014): Effectiveness of treatment approaches for children and adolescents with reading disabilities: a meta-analysis of randomized controlled trials. PLOS ONE, 9(2), e89900. PubMed
Hinweis: Diese Meta-Analyse war eine Grundlage der inzwischen abgelaufenen S3-Leitlinie; ihre zentralen Aussagen werden auf dieser Seite mit den aktuellen LONDI-Empfehlungen und neueren Reviews abgeglichen.

9. Hall, C. et al. (2023; online 2022): Forty Years of Reading Intervention Research for Elementary Students with or At Risk for Dyslexia: A Systematic Review and Meta-Analysis. Reading Research Quarterly, 58(2), 285–312. Verlagsseite mit DOI

10. Chandler, B. W. et al. (2025): A Meta-Analytic Review of Spelling Interventions for Students With or At-Risk for Learning Disabilities. Journal of Learning Disabilities. PubMed

11. Donolato, E., Cardillo, R., Mammarella, I. C. & Melby-Lervåg, M. (2022): Language and specific learning disorders in children and their co-occurrence with internalizing and externalizing problems: a systematic review and meta-analysis. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 63(5), 507–518. PubMed

12. McArthur, G. M. et al. (2020): Self-concept in poor readers: a systematic review and meta-analysis. PeerJ, 8, e8772. PubMed Central

13. Johnson, R. M. et al. (2026): The association between reading anxiety and reading achievement: A meta-analysis and systematic review. Psychological Bulletin, 152(3), 288–325. PubMed

14. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): ICD-10-GM Version 2026, insbesondere F81.- Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten, sowie ICD-11 – Aspekte der Einführung für Deutschland. ICD-10-GM 2026 · Einführung der ICD-11

15. Bundesministerium der Justiz und Bundesamt für Justiz: § 35a SGB VIII – Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche mit seelischer Behinderung oder drohender seelischer Behinderung. Gesetzestext

Leitlinienstatus und Aktualisierung

  • Abgelaufene Fassung: Deutsche S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/oder Rechtschreibstörung“, Registernummer 028-044, Fassung 2015. Sie ist nicht mehr als aktuelle Leitlinie auszuweisen.
  • Überarbeitung: Die AWMF führt seit Juli 2025 die Anmeldung zur Überarbeitung. AWMF-Information

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