Dyskalkulie-Therapie – Kurz zusammengefasst

Eine Dyskalkulie-Therapie setzt da an, wo die Probleme entstanden sind. Es wird von Beginn der mathematischen Kompetenzen beobachtet und geprüft ob alles verstanden und automatisiert wurde. Sobald ein Defizit auffällt, wird dieses behoben und ab diesem Punkt begonnen, die mathematischen Kompetenzen wie die Zahlzerlegung, den Zahlenraum 10, 20 und 100 sowie die Multiplikation und Division aufzuarbeiten.

Was ist eine Dyskalkulie

Eine Dyskalkulie oder auch Rechenstörung bzw. Rechenschwäche genannt ist wie die Legasthenie eine Ausprägung einer umschriebenen Entwicklungsstörung schulischer Fähigkeiten, welche nicht allein durch unangemessene Beschulung,  Intelligenzminderung oder anderen angeborenen oder erworbenen Störungs- und Krankheitsbildern erklärbar ist. Betroffene von Dyskalkulie zeigen häufig ein fehlendes Mengen- und Größenverständnis, machen Zähl- und Übersetzungsfehler (Zahlen in schriftliche Form übertragen z. B. 34 und vierunddreißig), Defizite beim Verständnis des Stellenwertsystems und häufiges verrechnen und „danebenrechnen“ (um +/- 1 verrechnen). Besonders betroffen sind die mathematischen Grundfertigkeiten Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division. Durch Druck, das Gefühl zu versagen, Hänseleien und ähnliches entsteht häufig ein psychischer Leidensdruck und problematische Selbstzuschreibungen wie „Ich bin dumm. Ich kann gar nichts.“ oder „Ich werde Mathe nie lernen!“.

In Deutschland geht man von 4,4% – 6,6% betroffenen Kindern aus.

Die Diagnose

Wir selbst führen Diagnosen lediglich zum Zwecke der Förderung durch, um genau einschätzen zu können, welche Schwierigkeiten Ihr Kind hat und wo wir mit unseren Hilfen ansetzen können. Sollten wir während einer Förderung den Verdacht haben, dass nicht nur ein Förderbedarf, sondern eine Dyskalkulie mit Therapiebedarf vorliegen könnte, sprechen wir selbstverständlich mit Ihnen darüber. Anschließend können Sie die Diagnostik von einem Kinderarzt oder einem Kinder- und Jugendpsychologen durchführen lassen. Diese offizielle Diagnose ist dann sinnvoll, wenn ein Nachteilsausgleich in der Schule – das heißt, dass die Fachnote vorübergehend ausgesetzt wird, möglich und von Vorteil ist. Gerne beraten wir Sie welcher Facharzt der passende Ansprechpartner ist.

Je früher ein Therapie- oder Förderbedarf erkannt wird, desto einfacher ist es, die Schwierigkeiten aus der Welt zu schaffen und Begleitstörungen zu verhindern. Trotzdem: Es gibt kein „zu spät“ bei der Therapie und Förderung von Schwächen und Schwierigkeiten.

Die Therapie

Ob Dyskalkulie oder Therapiebedarf durch aufgestaute Defizite in Mathematik: Unser prozessorientierter Ansatz betrachtet immer den aktuellen Lern- und Wissensstand Ihres Kindes. Dabei achten wir darauf, welche mathematischen Kompetenzen bereits vorhanden sind und stabil funktionieren, denn nur wenn man das Problem an seinem Ursprung packt, können sich die restlichen mathematischen Kompetenzen darauf aufbauend entwickeln. Das Beispiel eines Kartenhauses passt hier gut: Wenn das Fundament wackelt, kann alles Weitere nicht sicher darauf aufgebaut werden. Ähnlich verhält es sich in Mathematik. Die Kompetenzen bauen logisch aufeinander auf und greifen aufeinander zurück. Es müssen Systeme und Problemlösungen verstanden und verinnerlicht werden. Dies beginnt bei uns bei den sogenannten Basiskompetenzen, welche im Anschluss erläutert werden. Besonders der Mengenbegriff und die Raumorientierung erfahren im mathematischen Bereich besondere Aufmerksamkeit. In der ersten Klasse beginnt dann das Lernen der Ziffern und die Addition und Subtraktion im Zahlenraum bis Zehn (ZR10). Dort wird ein stabiler Mengenbegriff schon vorausgesetzt. Nach dem Zahlenraum bis Zehn kommt der Zehnerübergang, also das Rechnen über die Zehn hinweg. Darauf aufbauend dann der Zahlenraum bis 20 (ZR20). In der zweiten Klasse der Zahlenraum bis 100 (ZR100), die Multiplikation und die ersten Textaufgaben, welche nicht nur mathematische Kompetenzen, sondern insbesondere die Lesekompetenz und das Leseverständnis fordern. Die Ansprüche werden immer größer und es baut immer mehr aufeinander auf. All diese Stufen müssen verstanden und automatisiert sein, so dass Ihr Kind jederzeit darauf zurückgreifen kann. Unabhängig vom Schulstoff erarbeiten wir mit Ihrem Kind die fehlenden Kompetenzen und automatisieren diese. Dabei soll Ihr Kind nicht nur mathematisches Wissen erwerben, sondern auch aktiv sein Selbstbild korrigieren. Einer unserer Grundgedanken ist: Jeder kann alles lernen, man braucht nur unterschiedlich viel Zeit dafür. Und genau das soll Ihr Kind bei uns verstehen und erfahren. Positive Erlebnisse, spielerische und lebensweltliche Situationen mit Erfolgserlebnissen in denen mathematische Kompetenzen eine Rolle spielen und viel Zeit und Einfühlungsvermögen bringen Ihr Kind voran. Dabei setzt die Therapie und Förderung ebenso auf ein großes Maß an Eigenverantwortlichkeit. Die Automatisierung muss regelmäßig passieren und wird so geplant, dass diese Ihr Kind nicht überfordert, sondern Erfolgserlebnisse schafft und gleichzeitig den Inhalt festigt. Ebenso geht es darum auch bereits gelernte Inhalte immer wieder zu rechnen, um sie so aktiv im Gedächtnis zu behalten.

Besonders bei einer Therapie / Förderung mathematischer Kompetenzen sollte das Material und die Methoden nicht unerwähnt bleiben. Unserer Erfahrung nach gibt es nicht die eine Methode, die bei jedem Kind zum Erfolg führt. Menschen sind Individuen und reagieren auf Material und Methoden unterschiedlich. So ist ein Teil der Therapie / Förderung, dass wir herausfinden, welches Material (z. B. Legematerial, Rechenunterstützung durch einen Abakus und ähnliches) und welche Methode (z. B. Rechnen mit LEGO®) das Richtige für Ihr Kind sind. Besonders bei der Wahl des Materials zur Unterstützung ist wichtig, dass wir einen Weg finden, wie Ihr Kind auch außerhalb der Zeit bei uns das Material als Unterstützung verwenden kann. Denn bei einem ist sich die Forschung einig: Ein Methoden- und Materialmix schadet dem Verständnis. Erst wenn Systeme verstanden wurden, ist es an der Zeit diese zu variieren um die Problemlösungskompetenz zu verstärken.

Die Basiskompetenzen

Raumorientierung – Oben, unten, rechts und links

Bei manchen Kindern stellen wir fest, dass die Ursache der Störung noch weiter zurückliegt. Es gibt sogenannten „Basiskompetenzen„, die die Wurzel vieler weiterer Kompetenzen darstellen. So kann Ihr Kind das Rechnen nur richtig lernen, wenn es die Fähigkeit hat sich im Raum zu orientieren. Das klingt erst einmal banal – rechts und links können doch alle oder? Leider zeigt unsere Erfahrung, dass das häufig nicht der Fall ist. Die Addition und Subtraktion wird auf einem Zahlenstrahl als nach rechts gehen (Addition) und nach links gehen (Subtraktion) dargestellt oder das Bewegen auf der 100er Tafel zur Orientierung im Zahlenraum bis 100. Das sind Repräsentationen mathematischer Vorgänge, für die die Raumorientierung unerlässlich sind. Es gibt wissenschaftliche Hinweise, die darauf hindeuten, dass die Zahlenrepräsentation in unserem Kopf ähnlich einem Zahlenstrahl funktioniert, auch dies greift auf die Kompetenz der Raumorientierung zurück.

Kriterienkonstants – Vergleichen ist nicht gleich vergleichen

Das bringt uns zur nächsten Basiskompetenz: Kriterienkonstants. Menschen vergleichen ständig Dinge miteinander. Um aus dem Vergleich Informationen zu erhalten, muss man die gleichen Kriterien anwenden. Bei Person A stelle ich fest: Ist groß. Bei Person B stelle ich fest: Ist alt. Dieser Vergleich mit unterschiedlichen Kriterien bringt mir keinerlei Informationen über das Verhältnis von Person A zu Person B. Wenn ich beide Personen vergleichen möchte, benötige ich dazu dieselben Kriterien wie z. B. Größe. Leider gibt es immer wieder Kinder, die diese Kriterienkonstants noch nicht erworben haben. Besonders in mathematische Bereich ist die Kriterienkonstants von fundamentaler Bedeutung. Mengen müssen verglichen werden. Der Mengenbegriff als Bündelung von Kompetenzen muss ausgebildet sein. Die Kriterienkonstants ist somit eine wichtige Basis für spätere Kompetenzen.

Die Wahrnehmung

Auf gleicher Ebene steht die Wahrnehmung von Kindern. Nur wenn es bei der Wahrnehmung keinerlei Störungen gibt, kann Ihr Kind erfolgreich lernen. Die Wahrnehmung kann auf unterschiedlichste Arten beeinträchtigt sein und jeder Hinweis auf eine Störung der Wahrnehmung ist wichtig. Deshalb nehmen wir uns viel Zeit und widmen der Beobachtung der Wahrnehmung Ihres Kindes größte Aufmerksamkeit. Die gängigsten Störungen der Wahrnehmung sind Sehschwächen oder akustische Störungen. Bei dem Verdacht auf Wahrnehmungsstörungen beraten wir Sie hinsichtlich passender Fachärzte zur Abklärung und Diagnostik durch einen Kinderarzt.

Der Mengenbegriff

Als Mengenbegriff wird eine Sammlung wichtiger Kompetenzen rund um das Konzept einer Menge als vergleichbare Einheit verstanden. Der Mengenbegriff besteht im Wesentlichen aus der Zahl-Ziffer Zuordnung, der Invarianz und der Simultanerfassung. Es gibt noch weitere Kompetenzen, die einen stabilen Mengenbegriff unterstützen, doch das sind einerseits die wichtigsten, andererseits aber auch die, bei denen es unserer Erfahrung nach die meisten Defizite gibt.

Länge der Therapie

Die Länge einer Therapie oder Förderung ist nicht genau planbar. Es gibt individuelle Zielvereinbarungen, welche regelmäßig überprüft und besprochen werden sollen. Ist ein Ziel erreicht, gilt es zu überlegen auf welchem Weg das nächste Ziel erreicht werden soll. Natürlich wird dabei ein zeitlicher Rahmen geschätzt. Da jedes Kind individuell lernt, kann dies nicht mehr als eine Schätzung sein. Unserer Erfahrung nach setzen wir erfolgreiche Therapien und Förderungen auf ein Jahr an. Doch keine Angst, sie können mit sechs Wochen Kündigungsfrist zum Monatsende ihren Vertrag mit uns kündigen, so dass Sie nicht von Anfang an ein Jahr lang gebunden sind.

Sie brauchen Hilfe oder Beratung?

Wenn Sie Hilfe für Ihr Kind oder Beratung zum Thema Lernförderung, Lernstörungen und hier im speziellen zum Bereich der mathematischen Kompetenzen brauchen, dann kontaktieren Sie uns unter info@calega.de oder über das nachfolgende Kontaktformular.

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